Landschaft & Urbanismus

Waagplatz & Mozartplatz

Salzburg · Jänner 2023

Waagplatz & Mozartplatz

Wissensbasis

Mozartplatz: Im Mozartplatz überlagern sich Welten. Der imperiale (achsenbezogene) Machtanspruch steht dem kosmopolitischen (runden) Verständnis der Musik, repräsentiert durch das Genie Mozart, gegenüber.

Waagplatz: Der Waagplatz mit seinen vielfältigen ehemaligen Funktionen symbolisiert den Aufbruch aus der mittelalterlichen Enge in die Neuzeit, hält aber die Passage zur alten Macht offen.

Imperiales Konzept: Sowohl der Entstehungszeitraum als auch das Konzept der diagonalen Sichtachsen vom Domplatz, Alte Residenz, Residenzplatz, Mozart(Michaels)-platz, Mozart(Kai)-platz mit gelenkartigen Verbindungen als auch die kühne Komposition des topographischen Spiels mit den Höhen: Terrasse Domarkaden, Residenzplatz Brunnen Tiefpunkt, Mozartdenkmal Hochpunkt und Kapuzinerberg bzw. Gaisberg als höchste Fernpunkte weisen bereits auf das Gedankenkonzept des Manierismus. Im Manierismus spielt man mit Verzerrungen, Trapezen statt Rechtecken, Ovalen (Ellipsen) statt Kreisen, verkröpft, wird doppeldeutig;

Bürgerliche Wegsuche: Aus der mittelalterlichen Enge weitet sich die Judengasse (Schmalstelle ca. 3,60 m und, man staune, 300 Jahre auf erzbischöfliche Anweisung judenfrei) trapezförmig zum Waagplatz mit seinen vielen historischen Funktionen auf und setzt sich eher schlängelnd über den Mozart (Michaels)-platz mit Michaelsbrunnen wahlweise in der Pfeiffergasse oder auch Kaigasse fort.

Mozart: Mozarts Musik und (Schikaneders) Libretti stehen für Freiheit, Liebe und Verständnis

Klima: Seit der Erstveröffentlichung des Club of Rome Berichts 1972 „Grenzen des Wachstums“ wissen wir um die gefährdete Zukunft der Erde und sollten uns als respektvoller Teil dieser Welt und nicht als Usurpatoren verhalten und dementsprechend planen.

Entwurf

Konzept: Was für eine Gelegenheit in einer Gegenwart, in der alles wankt und in Frage zu stellen ist, sich in diesem Wettbewerb mit diesen Themen beschäftigen zu dürfen, um die Aufgabe mit einer authentischen Ausdrucksform der Gegenwart zu beantworten.

Im Bewusstsein dieses Wissens und der Herausforderung, einen klimatisch zukunftsweisenden Platz zu gestalten, schlagen wir einen großen elliptisch gekiesten Bereich mit offenporiger Oberfläche mit dem Juwel Mozart als Zentrum und einer umlaufenden Granitrinne als Fassung vor. Daran schließen Granitplatten in Fortsetzung des Residenzplatzbelages mit präzise ausgerichteten Fugen, auf die Verschneidungen und Übergänge der Räume und Plätze reagierend, an. Obwohl es keinen Standpunkt am Mozartplatz gibt, von dem aus kein Baum zu sehen wäre, halten wir den Zeitpunkt für gekommen, Pflanzen viel stärker in die Stadt einzubinden. Zwei Kastanien vor dem Glockenspiel setzen die Bepflanzungsidee der Neuen Residenz in gespiegelter Symmetrie fort. Ahornbäume (regelmäßig zu einer breiten Krone zu stutzen) oder Felsbirnen entlang der Ellipse bilden eine schattenspendende Allee, in halber Symmetrie zur Neuen Residenz stehend. Drei Baumgruppen im östlichen Bereich Mozartplatz, Salzachtorbereich und Kaigassenaufweitung akzentuieren die räumliche Idee der Übergänge. Der Michaelsbrunnen ersteht neu an alter Stelle als feuchtigkeitsspendendes und kühlendes Wasserspiel (die Position der Brunnenstube ist nicht standortgebunden). Am Waagplatz zitiert ein unterfahrbarer Trinkbrunnen den ehemaligen Fischkalter und verweist mit seiner Form auf die Funktion als ehemaliger Gerichtsplatz. Großformatige Platten aus rotem Granit (als Ersatz des witterungsanfälligen Adneter Marmors) in der Mitte des Platzes zitieren den alten Waagstein zur Bemessung des Zehents.

Mozartdenkmal: Mozart, der sich von der höfischen Ordnung löste und Neues wagte, darf nicht hinter Gittern stehen. Das Denkmal mit Statue, Poller und Bodenplatte bleibt erhalten, die Absperrgitter kommen ins Museum. Die Stufen zu Mozarts Füßen werden somit Teil des nutzbaren Platzraumes.

Bepflanzung: Nur gesunde Bäume tragen mit der Verdunstung an den Blättern zum Mikroklima bei. Mit großzügig angelegten Schwammbereichen dehnen Bäume ihre Wurzeln horizontal oberhalb der denkmalpflegerisch erforderlichen Wurzelschutzbahnen aus und ernähren sich selbstständig. Somit sind die historischen Artefakte geschützt und die Pflanzen haben einen großzügigen Wurzelbereich. Der umgebende Plattenbelag wird im Sandbett auf Drainagebeton verlegt und die Fugen in mehreren Schichten gesandet. Damit ist auch da eine Benetzung des Erdreichs mit Feuchteaustausch gegeben. (Dementsprechend großzügig abstandhaltend sind die Wurzelschutzhochzugbahnen anzulegen) Wir schlagen vor: Kastanien beim Glockenspiel Felsbirne oder Ahorne (mit zu stutzendem horizontal ausgedehntem schattenspendendem Kronbereich) als elliptisch angeordnete Halballee Ahorne im südlichen Bereich

Michaelsbrunnen: An der Stelle des alten Michaelsbrunnens wird ein augenförmiger bodenebener Brunnen mit 2 × 9 Düsen errichtet. Die Düsen sind diagonal gegeneinander gerichtet, um beim Aufprall einen sich maximal ausbreitenden Wasserschleier zu erzeugen. Die Wassermenge wird mit einer Höhe von 0,5 m bis 3,0 m computergesteuert geregelt. Im umlaufenden Entwässerungskranz aus Granit wird das Wasser gefangen und zur Aufbereitung an die Brunnenstube geleitet. Die Lage der Brunnenstube mit Wasseraufbereitung erfordert keine örtliche Nähe zum Brunnenstandort!

Michaelstor Rudolfskai (zukünftiges Anschlussdetail): Der Grundriss des abgetragenen Michaelstors sollte in den Bodenplatten in rotem Granit dargestellt werden.

Trinkbrunnen Waagplatz: Ein behindertenfreundlicher Trinkbrunnen mit drei sensorgesteuerten Wasserstellen labt kostenlos die Gäste und erinnert an den ehemaligen Fischkalter und mit seiner galgenähnlichen Form an die alte Funktion des Gerichtsplatzes.

Waagplatz Waagstein: Im Schwerpunkt des Platzes zitieren rote Granitplatten den Waagstein in seiner Funktion zur Messung des Zehents für die Pfalz.