A – ARCHITEKTUR
grundsätzliche (sehr persönliche) gedanken
was ist sozialer wohnbau?
mit einem minimum an mitteln ein maximum an lebensqualität zu erzielen!
der entfall von formalen spielereien fürs photojournal erlaubt den blick aufs wesentliche zu schärfen: der raum ZWISCHEN dem gebauten, materiellen muss die vielfältige entfaltung der sich dort aufhaltenden wesen nicht nur zulassen, sondern fördern. (unsere wahrnehmung ist nur zu einem bruchteil visuell – das meiste wird über fühlen, hören, riechen wahrgenommen – dessen muss man sich bewusst sein und dementsprechend planen!)
da wir uns zunehmend im inneren von gebäuden aufhalten, kommt dem außen, dem sich der atmosphäre aussetzen können, immer mehr bedeutung zu. das direkt von der wohnung ins freie treten können, luft und wind schnuppern können, sollte schon lange eine selbstverständlichkeit sein, wie in früheren zeiten. Genau da kann gegen die zersiedelung der landschaft und die eindämmung des verkehrs angesetzt werden. Wie viele autostunden spare ich ein, wenn ich auf der eigenen terrasse ein sonnenbad nehmen kann und nicht ins bad oder zum see fahren muss? gerade menschen ohne dickes bankkonto und zweithaus im grünen muss dieser genuss ermöglicht werden. was habe ich von (derzeit) gefeierten optimalen oberflächen zu volumskennzahlen, wenn die bewohner dann ihre ganze energie (im doppelten sinn) aufwenden müssen, um an ein plätzchen im freien zu kommen? ein erfrischender gesamtheitlicher ansatz von ökonomie und ökologie wäre dringend notwendig! (dasselbe gilt für das thema der eingeschränkten mobilität)
dazu gehören gerade auch bereiche außerhalb der wohnung, aber noch nicht auf der straße, wo ich jenseits von twitter und facebook kommunizieren könnte:
- der bereich vor dem hauseingang – mit sitzstufen auf dem dach der garagenrampe
- gänge – mit licht und durchblick, mit sichtbeziehungen nach oben und unten und draussen
- garagen – mit tageslicht
- zusatzräume – kinderspielraum und kinderspielplatz
auch nach dem kleinkindalter sollen die jugendlichen animiert werden, sich innerhalb der anlage aufzuhalten: mit einem eigenen jugendraum und zugehörigem außenraum davor.
dass sitzstufen vor dem eingang und jugendvorplatz mit holzwelle nur in zurechtgestutzter form realisiert werden konnten, zeigt einmal mehr den mangel an bewusstsein in unserer gesellschaft, was lebensqualität eigentlich bedeutet (die vordergründig im bau eingesparten kosten werden sich im budget bei höheren instandhaltungskosten wiederfinden) und mit welch geringen maßnahmen soziale wärme erzeugt werden könnte! (jenseits von neuen wachzimmern, polizeidienststellen und überwachungskameras)
voraussetzungen / historie
die bebauungsbestimmungen sehen gebäudeklasse 1 wohnbau geschlossen mit einer höhe von 7,5 m und einer ausnutzbarkeit von 60 % vor. eine 10 m baufluchtlinie grenzt zur simmeringer hauptstrasse ab. In einer ersten aufwendigen gesprächsphase musste die bauherrin anhand von verschiedenen bebauungskonzepten erst überzeugt werden, dass die gewidmete ausnutzbarkeit massiv zu unbelichteten volumen führen würde und die theoretisch kalkulierten flächen damit für wohnäume nicht verfügbar wären. neben den räumlichen vorteilen half die terrassierung zusätzlich, auch die ausnutzbarkeit des grundstückes zu optimieren. Ein nicht leichtes unterfangen, die vier über die jahre damit befassten mitarbeiter.innen des magistrates interpretierten die gesetze jeweils anders und verlangten dementsprechend andere berechnungsmodalitäten. die gemeinnützige wohnungsaktiengesellschaft wohnpark alterlaa errichtete schlussendlich die terrassenwohnanlage auf dem 2.540 m² großen areal an der ecke simmeringer hauptstraße / reimmichlgasse 2 mit einer bruttogeschoßfläche von 4.046 m²
lage bauplatz
der bauplatz liegt in der simmeringer hauptstraße 595–561 / ecke reimmichlgasse in wien simmering, am rande zu schwechat.
Im süden liegen die werkstätten der wiener verkehrsbetriebe und der israelitische friedhof dominant gegenüber.
Im norden und osten begrenzen einfamilienhäuser das grundstück.
eine kleingartenanlage liegt nördlich angrenzend an die einfamilienhäuser und erstreckt sich bis zur sehr städtischen wohnanlage um den leberberg
Im westen sind die grundstücke jenseits der reimmichlgasse mit einfamilienhäusern und einer zeilenartigen wohnanlage bebaut.
verkehr
öffentlich:
straßenbahn linie 71, bushaltestelle linie 171 vor der tür, s-bahn in ca. 5 min gehdistanz
individualverkehr:
tiefgarageneinfahrt in der reimmichlgasse
sämtliche 39 wohneinheiten erhalten einen platz in der tiefgarage
ausgezeichnete anbindung an das autobahnnetz über schwechat und die S1
radweg an der simmeringer hauptstraße,
ein ebenerdiger, überdachter fahrradabstellplatz ist beim eingang vorgesehen
architektur
realisiert wurde ein terrassenhaus mit 3 geschossen und einem penthouse
die u-förmige anlage besteht aus zwei nord-süd-gerichteten baukörpern mit einem nach süden orientierten innenhof und einem verbindenden erschließungstrakt als nördlicher abschluss
durch die baukörpermodellierung werden äußerst intime außenbereiche geschaffen
alle wohnungen sind ost-west- und zusätzlich tw. süd-orientiert,
jede wohneinheit hat außenliegende erholungsflächen, als garten, terrassen oder balkonflächen
typologie
| typ | wohnungstyp | eg | og | og2 & dg | gesamt | anteil |
|---|---|---|---|---|---|---|
| B | 2-zimmer-wohnung | 6 | 4 | 8 | 18 | 46,15 % |
| C | 3-zimmer-wohnung | 5 | 8 | 2 | 15 | 38,46 % |
| D | maisonette, 4 zimmer | 0 | 0 | 6 | 6 | 15,38 % |
| gesamt | 39 | 100 % |
aufschließung
ein zentrales, belichtetes stiegenhaus mit lift im norden erschließt die beiden trakte mit jeweils 19 bzw. 20 wohneinheiten
der eingang liegt an der reimmichlgasse
je ein, sich um ein oberlichtauge aufweitender, von norden und oben belichteter gang erschließt die geschoßwohnungen im eg, og und og2
die maisonettewohnungen werden vom 2. og erschlossen, haben dort großteils ein extra zimmer samt wc und innenliegende treppen erschließen das quergelüftete penthouse
die garageneinfahrt wird von der reimmichlgasse angefahren und liegt am nordrand des grundstückes
wohnungen
individuelle freiflächen für alle! wohnungen:
im erdgeschoß mit gärten, in den obergeschoßen loggien, balkone und terrassen
holz-alufenster
kellerabteile über 4 m² groß
sozial- & gemeinschaftsräume
neben dem eingang liegt ein kinderspielraum mit kinderspielplatz
auf garagenebene befindet sich ein jugendraum mit tageslicht und direktem ausgang in den garten
farbkonzept
die beiden baukörper sind in hellem grau gehalten, fenster aussen grau,
erschließungsräume jeweils eine wand in kräftiger rot-oranger färbelung
geländerstäbe, handläufe niro
außenanlagen
trennwände im innenhof aus sichtbeton mit unregelmäßigen löchern, mit eingehängten edelstahl-pflanzregalen
hecken hainbuche
vor dem jugendraum ein in wellenform hochgezogener holzbelag zum niveau der simmeringer hauptstraße
dächer und nicht begehbare terrassen extensiv begrünt mit verschiedenen sedumarten, garagendach intensiv begrünt
eingang asphalt,
modellierter kleinkinderspielplatz und kinderspielraum
B – ÖKOLOGIE
durch die terrassierung der anlage haben alle räume beziehung nach außenliegenden freiräumen
ca. 70 % quergelüftet
schallschutzfenster zur simmeringer hauptstraße
keine nord-aufenthaltsräume
38 % der grundstücksfläche ist unverbaut und dient zur versickerung auf eigengrund
44 m² photovoltaikkollektoren am dach liefern strom für die beleuchtung und den überschuss ins netz
tageslicht in den gängen, tw. tageslicht in der garage
C – ÖKONOMIE
wirtschaftliches verhältnis zwischen brutto- und netto-fläche
die gebäude erwarten als niedrigenergiehäuser einen geringeren heizwärme- und kühlungs-bedarf.
einzelwasserzähler und wasserspararmaturen reduzieren die energie- und wasserkosten
natürlich belichtete und belüftete erschließungsflächen senken die beleuchtungskosten,
ausgeklügeltes konzept der brandabschnitte ermöglicht es, ohne brandschutzverglasung an den fassaden auszukommen










